Mit acht Farbradierungen von Kristiana Slawik. Verlag Lambert Schneider, Gerlingen 21995. 130 Seiten.
Martin Buber, der große jüdische Philosoph unseres Jahrhunderts, verfaßte 1955 ein Mysterienspiel über den Propheten Elias. Elie Wiesel, jüdischer Schriftsteller und Friedensnobelpreisträger, porträtierte die bedeutsame biblische Gestalt 1982. In dem vorliegenden Buch sind nun beide Elias-Interpretationen enthalten und mit Farbradierungen zum Leben des Propheten Elias untermalt. Der Prophet Elias spielt in der jüdischen Tradition eine ganz besondere Rolle. In dieser Tradition stirbt Elias nicht, sondern fährt mit einem Feuerwagen zum Himmel. Bis zur Ankunft des Messias ist es seine Aufgabe, den Menschen in ihrer Not und ihren Fragen zu helfen. Zahlreiche jüdische Legenden berichten von ihm als Berater und Wundertäter durch die Jahrhunderte. Martin Buber konzentriert sich in seinem Mysterienspiel auf die biblische Elias-Gestalt und erzählt sein Leben von seiner Berufung bis zu seinem Aufstieg in den Himmel. Elie Wiesel geht in seinem Porträt etwas weiter und befaßt sich auch mit den talmudischen und chassidischen Legenden. Beide Darstellungen ergeben eine höchst eigenwillige und damit interessante Elias-Interpretation, die den großen Propheten in einer ganz anderen Weise nahebringt, als dies die wissenschaftliche Exegese vermag. Ein schönes und — im wörtlichen und übertragenen Sinne — buntes Buch.
Herbert Winklehner
Jahrgang 5/1998 Seite 128